Heeslingen

Alte Kirche prägt das Ortsbild

Heeslinger Gotteshaus wurde komplett aus Feldsteinen errichtet und hat eine reiche Geschichte


HEESLINGEN. Ein prägnantes Merkmal des Heeslinger Ortsbildes ist der hohe Glockenturm der St. Viti-Kirche. Sie gilt als die älteste und auch schönste noch erhaltene Feldsteinkirche Norddeutschlands. Über eintausend Jahre alt ist dieses Bauwerk, und es spiegelt in seiner Architektur einen Teil der wechselvollen Geschichte des Ortes wider.


In den Anfängen war diese Kirche wohl aus Holz erbaut, wie in dem neunten Heft der Reihe „Kunstdenkmäler der Provinz Hannover“ aus dem Jahre 1908 zu lesen ist. Bereits vor dem Jahre 915 soll sie am Ufer der Oste gestanden haben. Erst einige Jahrzehnte später, vermutlich um 1000 nach Christi Geburt erbaute die Äbtissin Hathui mit eigenen Mitteln an gleicher Stelle eine Kirche aus dem Material, das in der Osteregion in großen Mengen zu finden war – der Feldstein.Mit Hilfe der so genannten Photogrammetrie wurden bei der letzten großen Renovierung der Heeslinger Kirche im Jahre 1986 einige Hinweise auf das ursprüngliche Aussehen des Gebäudes entdeckt, wie Dr. Konrad Maier in seinen Ausführungen über das Heeslinger Gotteshaus schreibt. So tauchten unter dem Innenputz an der Südwand des Kirchenschiffes zugemauerte Rundarkaden auf, die auf ein ehemals vorgelagertes Seitenschiff hindeuten. Sieben Bögen mit einer Breite von zwei und einer Höhe von rund vier Metern wurden gezählt. Auch beim Abtragen einzelner Strebepfeiler traten Teile von Arkadenbögen zutage. Die Arkadenpfeiler zeigten einen fast quadratischen Grundriss mit einer Stärke von 75 Zentimetern. Diese Funde legten die Vermutung nahe, dass das Kirchengebäude ursprünglich die Form einer dreischiffigen Pfeilerbasilika hatte und deutlich größer war als heute. Die Dächer der Seitenschiffe scheinen sehr flach gewesen zu sein, was durch weitere Funde dokumentiert wurde.Wie groß diese waren, ließ sich jedoch nicht mehr rekonstruieren.


Mit der Übersiedelung des Heeslinger Klosters in die Abgeschiedenheit Zevens war die Blütezeit des Ortes erstmal vorbei und das Kloster verfiel. Die Kirche musste jedoch erhalten bleiben, so lautete die Verpflichtung des Klosters Zeven.
Im Jahre 1620 zerstörte ein großes Feuer nicht nur große Teile des Ortes, sondern auch das Pfarrhaus, die hölzerne Spitze des mächtigen runden Kirchenturms, das Kirchendach und das gesamte Gestühl. Verschont wurden damals nur die Kanzel und der Altar. Der beschädigte Turm musste abgetragen und das Dach komplett erneuert werden. Das damals errichtete Gebälk trägt noch heute das Dach der St. Viti-Kirche.
Nur fünfzig Jahre später schlug der Blitz in den übriggebliebenen Turm ein, zerriss das Mauerwerk, zerschlug die Glocke und einen Balken. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde der runde Turm dann wegen seiner Baufälligkeit komplett abgetragen. Die großen Feldsteine fanden in den großen Strebepfeilern, die noch heute das Bild der Kirche prägen, eine neue Verwendung.
Der neue Backsteinturm im neugotischen Stil schließlich wurde rund einhundert Jahre später errichtet und geweiht. Im Zusammenspiel mit der romanischen Architektur des Kirchenschiffes wirkt der rote Glockenturm sehr dominant.

Prächtige Schnitzereien im so genannten Herrenstuhl. Fotos: he
Prächtige Schnitzereien im so genannten Herrenstuhl. Foto: he
Blick hinauf zum Kirchenfenster.
Blick hinauf zum Kirchenfenster. Foto: he


Auch das Innere der Kirche hat sein Gesicht im Laufe der Jahrhunderte immer wieder mal geändert. Auf dem Altar, der mit Ziegeln hoch aufgemauert wurde, steht der schreinartige spätgotische Altaraufsatz, auf dem die Figuren des Christus und der zwölf Apostel zu sehen sind. Die 55 Zentimeter hohen Figuren scheinen, so die Autoren des Heftes über die Kunstdenkmäler, von „unkundiger Hand“ restauriert. Bei dieser Arbeit bekam der Apostel Jakobus, zu erkennen an dem Pilgerhut, einen Schlüssel in die Hand. Die ursprüngliche dazugehörige Figur der Maria wurde ganz entfernt und befindet sich heute im Stader Museum.
Alles in allem vertreten die Autoren der Schrift die Ansicht, dass der Altaraufsatz aus Resten eines alten Altars zusammengesetzt wurde.Die Datierung dieser Arbeit wird durch neu angebrachte Zierschnörkel an beiden Seiten der Lade auf den Anfang des 17. Jahrhunderts geschätzt.


Auch das Gestühl wurde zu dieser Zeit erneuert und zeigt an einigen Seitenwangen dekorative Schnitzereien. Der so genannte Herrenstuhl ist mit einem Wappen bekrönt und trägt die Inschrift „H Clement V.D. Kuhla Abt zu unser lieben Frawen in Stade Probst: zu Zeven: Anno 1642“. Es ist der Name des letzten Probstes in Zeven.

Artikel von Sabine Hennings
Quelle: Zevener Zeitung vom 01. Juni 2011: ZZ / 127 / Seite:9



zur Druckversion Druckversion anzeigen