Heeslingen

"Haus der Jugend" und Sportschule

1050 Jahre Heeslingen: Über einen großen Backsteinbau im Zentrum des Ortes


HEESLINGEN. Im Zentrum Heeslingens, in direkter Nachbarschaft zum Heimathaus und seinen historischen Nebengebäuden, steht ein großer dunkelroter Backsteinbau. Zurzeit ist noch der Heeslinger Kindergarten in dem Gebäude. In der kleinen Sporthalle spielen und trainieren regelmäßig die Kindergartenkindern und die Vereine der Börde. Heute schon etwas in die Jahre gekommen, war dieser ungewohnt massive Bau in früheren Zeiten das Heeslinger „Haus der Jugend“ und später eine Sportschule.


Gebaut wurde er in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch die Initiative des damaligen Vorsitzenden des Männerturnvereins Heeslingen Dietrich Lendroth. Geturnt wurde in den Anfangszeiten des hiesigen Sportvereins im „Koeneckeschen Saal“ am Reck, Barren und Pferd. Das war nicht gerade der ideale Ort für die motivierten Heeslinger Turner. Schon lange schwebte dem engagierten Dorfschullehrer Lendroth aus Boitzen deshalb der Bau einer Turnhalle vor, wie Karl Kraake in der Broschüre „Heimatliche Bilder und Sagen aus dem Kreis Bremervörde“ erinnerte. Dank der großzügigen Stiftung der Spar- und Darlehenskasse Heeslingen und der Gemeinde Heeslingen wurde schließlich im Jahre 1936 ein „Haus der Jugend“ samt der herbeigesehnten Turnhalle gebaut. Die Gemeinde stellte auch das Bauland direkt an der Oste zur Verfügung. Die große Einweihung fand drei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten 1939 statt. Der Zweite Weltkrieg beendete zunächst die Vereinsaktivitäten in Heeslingen. Der Turnbetrieb musste eingestellt werden, die Sporthalle wurde für einige Zeit von der Militärregierung als Lagerraum beschlagnahmt. In den ehemaligen Gemeinschaftsräumen fanden Flüchtlinge ihre erste Unterkunft, schrieb Karl Kraake. Eine neue Nutzung des Hauses wurde dann aber nur wenige Jahre später gefunden. Der Kreissportbund Bremervörde beschloss, das ehemalige Haus der Gemeinschaft zu erweitern und es als Lehrstätte für die Sportler zwischen Elbe und Weser zu öffnen. Die bereits vorhandenen Räumlichkeiten an der Turnhalle wurden um Waschräume und Duschen erweitert, ein Aufenthalts- und ein Speiseraum, ein Unterrichtsraum und eine Küche wurden ausgebaut und eingerichtet.
Plätze für Leichtathleten
Neben der Sportschule befanden sich die Übungsplätze für die Leichtathleten und dort, wo heute die Nebengebäude des Heimathauses stehen, befand sich eine Sitzecke unter Eichen und Kiefern. Auch auf eine Besonderheit des Geländes wies Kraake in seiner Beschreibung aus den 60er Jahren hin. Beim Bau der Turnhalle wurde ein so genannter Artesischer Brunnen entdeckt, der mit seinem Wasser nicht nur das Gebäude, sondern auch das Heeslinger Schwimmbad versorgte. Artesische Brunnen fließen alleine durch den Druck des Grundwassers, und der soll dafür gesorgt haben, dass der Wasserspiegel des Heeslinger Brunnens stets über einem Meter höher als der Erdboden lag.Weit über die dörflichen Grenzen Heeslingens hinaus war die Sportschule bekannt. Laut Belegungsplan, den Lendroth seinem Gast Kraake seinerzeit zeigte, kamen die Lehrgangsteilnehmer nicht nur vom Kreissportbund Bremervörde und dem Bezirkssportbund Stade, sondern zum Beispiel auch von der Landwirtschafskammer Hannover, vom Hamburger Sudienseminar und vom Box-Verband Weser/Ems. Rund 1889 Teilnehmer wurden in rund siebzig Lehrgängen geschult, so Lendroth und so mancher langjährige Übungsleiter in den regionalen Sportvereinen bekam sein Wissen in der Sportschule Heeslingen vermittelt. Anfang der 70er Jahre wurde die Bezirkssportschule geschlossen. Auch die Zeit des Kindergartens dort ist bald vorbei, die neue geräumige Kindertagesstätte wird bereits gebaut. Bleibt abzuwarten, wer danach Einzug hält in dem großen roten Backsteinbau in der Mitte des Dorfes. (Artikel von Sabine Hennings)

Quelle: Zevener Zeitung vom 24. Mai 2011




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