Heeslingen

Ein Schatz für Heeslingen

Bei Renovierungsarbeiten unter der Kirche werden wertvolle Münzen aus dem 16. Jahrhundert gefunden

HEESLINGEN. Im Jahre 1986 wurde die alte Heeslinger Kirche umfassend saniert und renoviert. Bei diesen Arbeiten wurde bei der Ausschachtung im Innenraum der Kirche ein richtiger Schatz gefunden.


Etwa 25 Zentimeter unter dem Kirchenfußboden fand kurz vor Mittag des 26. Juni einer der Handwerker ein tönernes Gefäß. Dieser so genannte Grapen, ein dreibeiniger Topf mit Henkeln, zerbrach bei der Bergung und brachte insgesamt 585 alte Münzen zum Vorschein. Bei der anschließenden Restaurierung im Landesmuseum Hannover wurde der Grapen wieder zusammengefügt und auf das 16. Jahrhundert datiert. Die Münzen, mit immerhin rund vier Kilogramm Gesamtgewicht, wurden ebenfalls im Landesmuseum säuberlich gereinigt und von dem dortigen Numismatiker Dr. Reiner Cunz wissenschaftlich bestimmt.Große Münzschätze sind in der Regel sehr selten und gewähren den Historikern, wie im Fall der Heeslinger Münzen, einen Blick in die Geschichte des Geldumlaufes in früheren Jahrhunderten.Bei dem Fund in der St. Viti-Kirche gehen die Experten davon aus, dass er um das Jahr 1570 vergraben wurde. Die ältesten Exemplare der gefundenen Münzen sind Groschen der Hansestädte Lübeck und Hamburg, sie wurden datiert auf das Jahr 1433. Da Gold im 15. Jahrhundert relativ selten und somit kostbar war, wurden Münzen vor allem aus Silber geprägt, das dank verbesserter Bergbautechnik damals in größeren Mengen abgebaut werden konnte. Anders als heute waren die Münzen im Mittelalter sehr unterschiedlich im Aussehen und Edelmetallgehalt. Je höher der Silberanteil der Münzen, desto länger wurden sie im Handel genutzt. So genanntes „gutes Geld“ konnte demzufolge ohne weiteres über einen Zeitraum von mindestens fünfzig Jahren im Umlauf sein. Dem Urteil des Numismatiker nach waren die Heeslinger Münzen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Umlauf, wodurch er zu dem Schluss kam, dass der Münzschatz zwischen 1550 und 1570 gesammelt wurde.Die insgesamt 58 unterschiedlichen Prägestätten der einzelnen Münzen befanden sich überwiegend im nördlichen Teil des Reiches, wobei eine kleine, aber nahe gelegene Münzstätte in Bremervörde häufiger vertreten ist. Dort ließen, so die Experten, die Bremer Erzbischöfe seit den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts ihre Münzen prägen. Erwähnenswert ist, dass der katholische Erzbischof Herzog Christoph von Braunschweig-Wolfenbüttel, Landesherr in den Erzstiften Bremen und Verden versuchte durch fleißiges nachprägen seinen aufwändigen Lebensstil und seine kriegerischen Auseinandersetzungen zu finanzieren. Das erklärt die große Zahl an Münzen aus der Zeit zwischen 1511 und 1524. Unklar ist bis heute, wer den Münzschatz in der Heeslinger Kirche vergrub und warum dies geschah.Kriegerische Auseinandersetzungen können ausgeschlossen werden und auch die Vermutung, dass der damalige Pfarrer die Silbermünzen zu verstecken suchte, sind nicht wahrscheinlich, denn der hätte vermutlich die Nähe zum Altar gesucht. Bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, dass ein wichtiger protestantischer Adeliger der Umgebung den Schutz der Kirche zur Aufbewahrung seines Geldes suchte und es unbemerkt vergrub. Warum jedoch die Münzen dort blieben, lässt sich wohl heute nicht mehr klären.

Artikel von Sabine Hennings
Quelle: Zevener Zeitung vom 04. Juni 2011: ZZ / 129 / Seite:11




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