Heeslingen

Festumzug am Sonntag, 05. Juni 2011

Wenn Geschichte lebendig wird


Heeslingen. Mit dem großen Festumzug fand am Sonntagmittag ein weiterer der vielen Höhepunkte der Feierlichkeiten zum 1050-jährigen Bestehen Heeslingens statt. Die Bewohner der Börde hatten sich einiges einfallen lassen, um das Flair vergangener Tage und die Geschichte Heeslingens greifbar zu machen. Von Jonas Eckhoff

Stolze 63 Anmeldungen verzeichneten die Organisatoren des Umzuges für den mehr als einstündigen Umzug, der bei den Zuschauern durchweg positive Eindrücke hinterließ. „Da sind echt tolle Wagen dabei“.

Solche und ähnliche Reaktionen kamen aus der Menge der Zuschauer, die die Straßen im Heeslinger Ortskern säumten. Und in der Tat war der Kreativität der Wagenbauer und Fußgruppen anscheinend keine Grenze gesetzt. Jedes Dorf der Börde Heeslingen, sowie Vereine, Schulen und Kindergärten beteiligten sich am Umzug und ließen das staunende Publikum in die Vergangenheit ihres Ortes oder ihrer Institution eintauchen.


Die verschiedenen Epochen der Bördegeschichte spiegelten sich auch in den teils prunkvollen Kleidern wieder. Foto: je



Fleißige Waschfrauen
So wuschen auf dem Meinstedter Wagen fleißige Waschfrauen die Wäsche so, wie es wohl um die Jahrhundertwende gemacht wurde. Auf dem folgenden Wagen wurden dann historische Haushaltshilfen wie der „Waschrasch“ aus dem Jahr 1910 ausgestellt.

Mit welch vergleichsweise primitiven Mitteln vor rund einhundert Jahren Brände gelöscht wurden, konnte man sehen, als die Feuerwehrkutschen aus Meinstedt und Heeslingen vorbei rollten. Die Sassenholzer ließen für das Jubiläum ihre alte „Dörpschool“ wieder auferstehen. In dem Nachbau fand immerhin eine kleine Schulklasse Platz, die von ihrem Lehrer die deutsche Sprache nahe gebracht bekam.

Pastor als Mönch gewandet
Und wenn es um die Geschichte der Börde Heeslingen geht, darf die kirchliche Historie nicht fehlen. Und so begleitete Pastor Volker Michaelsen, als Mönch verkleidet, den Theologen Martin Luther, der unermüdlich seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug. Zwischen die Wagen reihten sich immer wieder Fußgruppen und sogar ganze Tierherden, wie etwa die Ziegenherde, die brav der Leitung ihres Schäfers folgte. Zur Gründungsgeschichte des Heeslinger Klosters gehört auch die Heilsburg, die vermutlich in Adiek stand. Auch sie tauchte im Festumzug auf, in Form eines detaillierten Nachbaus aus Holz und umgeben von Palisaden und Bäumen.

Auch die schwere Zeit während und nach dem zweiten Weltkrieg wurde dem Publikum vor Augen geführt. Eine Flüchtlingsfamilie hatte sich mit ihrem letzten Hab und Gut auf den Weg gemacht.


Musikalisch umrahmt wurde der Festzug von den Fanfaren- und Spielmannszügen der Börde, sowie vom Posaunenchor der Kirchengemeinde. Nachdem der Umzug in der Kirchstraße sein Ende gefunden hatte, konnten dort alle Festwagen von den mehreren tausend Zuschauern noch einmal genauer in Augenschein genommen werden. Währenddessen waren viele der Teilnehmer, insbesondere die Fußgruppen, froh, sich endlich auf die Suche nach einem schattigen Plätzchen machen zu können.

Quelle: Zevener Zeitung vom 06. Juni 2011 (Artikel und Fotos)




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