Sechs Monate Corona im Landkreis

Veröffentlicht am: 11.09.2020

Am 4. März wurden im Landkreis die ersten beiden Corona-Fälle bestätigt. Seitdem ist das Fallgeschehen recht dynamisch. Ein halbes Jahr nach den ersten Fällen ist es Zeit, für den Landkreis eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.

Verlauf der festgestellten Infektionen

Covid Verlauf© Landkreis Rotenburg (Wümme)

Ein Blick auf die Statistik der bisherigen festgestellten Infektionen mit SARS-CoV-2 offenbart bislang einen relativ milden Verlauf im Landkreis, verglichen mit anderen Regionen in Deutschland. So gab es im Kreisgebiet zwei kleine, wellenartige Anstiege bei den Infektionszahlen Ende März/Anfang April sowie in der zweiten Augusthälfte (rote Linie). Zwischenzeitig war das Infektionsgeschehen im Landkreis fast vollständig zum Erliegen gekommen. Zwei Todesfälle durch das Virus waren am 28.3. und am 22.5. zu beklagen.

Der Anstieg der Fallzahlen im März/April war zum Großteil auf reiserückkehrende Skifahrer und deren Kontaktpersonen zurückzuführen. Im August kam es zu einem Anstieg durch das Infektionsgeschehen bei einem Personaldienstleister für Logistikbetriebe in Elsdorf und durch Reiserückkehrer in den Sommerferien.

Infektionen der letzten 7 Tage

Covid 7 Tage© Landkreis Rotenburg (Wümme)

Bei der Betrachtung der Neuinfektionen der jeweils letzten 7 Tage (rote Linie) fällt auf, dass der Wert stets weit entfernt war vom als kritisch angesehenen Schwellenwert von 50 Personen pro 100.000 Einwohner. Der Höchstwert im Kreisgebiet lag bei 26 Infektionen pro 100.000 Einwohner und wurde Ende August erreicht. Über mehrere Wochen im Sommer lag dieser Wert im Landkreis bei 0.

In beiden Infektionswellen gelang es, die Weiterverbreitung des Virus durch konsequente Nachverfolgung und Quarantäne der betroffenen Personen zeitnah einzudämmen. „Dies belegt, dass die betroffenen Menschen im Landkreis sich überwiegend sehr diszipliniert an die Quarantäne-Bestimmungen halten und dass unser System der Nachverfolgung der Infektionsketten gut klappt“, so Herr Hedicke, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes. „Die Anzahl von Quarantäne-Brechern ist im Landkreis deutlich niedriger als gemeinhin angenommen und spielt für das Infektionsgeschehen auf Kreisebene bislang nur eine untergeordnete Rolle.“

Altersverteilung

Covid Alter 1© Landkreis Rotenburg (Wümme) Covid Alter 2© Landkreis Rotenburg (Wümme)

Ein Blick auf die Altersverteilung der Infizierten im Landkreis zeigt Unterschiede zwischen den beiden Infektionswellen auf. Während in der ersten Infektionswelle im März/April mehr als die Hälfte der infizierten Personen 50 Jahre oder älter war, gehören in der zweiten Infektionswelle im Spätsommer weniger als ein Sechstel der Infizierten zu den über 50-Jährigen. Das Durchschnittsalter der Infizierten ist von 48,6 Jahren im Frühjahr auf 34,3 Jahre im Sommer stark gefallen. Diese Entwicklung spiegelt in etwa auch den Bundestrend wieder.

Vor diesem Hintergrund ist interessant, dass im ersten Zeitraum insgesamt 17 Hospitalisierungen und zwei Todesfälle zu verzeichnen waren, seit dem 05.06.2020 jedoch keine weitere Krankenhauseinweisung für im Landkreis gemeldete infizierte Personen erfolgte. Herr Hedi>https://www.kvn.de/coronatest.html

Schulen

Nach der Schließung der Schulen Mitte März wurden diese nach den Osterferien nach und nach wieder geöffnet. Hierzu wurden von den Schulen u.a. die Klassen geteilt und abwechselnd Präsenzunterricht in den Schulgebäuden bzw. digitales Lernen zu Hause organisiert. Der Landkreis hat dazu die IT-Kapazitäten verstärkt. Außerdem konnten die kreisangehörigen Schulen auf vorhandene mobile Endgeräte zurückgreifen, um diese bei Bedarf unbürokratisch an die Schüler auszuleihen, die über keine eigenen Geräte verfügten. Zur Unterstützung der Schulen bei der Umsetzung ihrer Hygienekonzepte wurden seitens des Landkreises Händedesinfektionsmittel und Mund-Nasen-Bedeckungen aus den Beständen des Katastrophenstabes zur Verfügung gestellt.

Trotz zunächst halber Fahrgastzahlen in der Schülerbeförderung wurde noch vor den Sommerferien der normale Regelfahrplan wiederaufgenommen, um möglichst große Abstände in den Bussen zu ermöglichen. Mit der Rückkehr zu einem weitgehenden Regelbetrieb sind jedoch nach den Sommerferien auch die Fahrgastzahlen in den Bussen wieder stark angestiegen, so dass ein 1,5-Meter-Abstand in vielen Fällen nicht eingehalten werden kann. Die Corona-Verordnung des Landes sieht deshalb im gesamten ÖPNV sowie Taxen die Einhaltung eines Mindestabstands nur nach Möglichkeit vor, stattdessen ist hier ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Aktuelle Herausforderungen sind die Öffnung der Kitas und Schulen. Die Corona-Fälle in Schulen in Bremervörde und in Rotenburg (Wümme) zeigen aber, dass die dort praktizierten Hygienekonzepte sehr gut greifen. In enger Zusammenarbeit mit den Schulen konnte das Gesundheitsamt alle Kontaktpersonen ermitteln und testen. Außer den ursprünglichen Fällen wurden keine weiteren Personen positiv getestet.

AHA-Regeln einhalten

Da es zurzeit noch keinen Impfstoff gibt, sind immer noch alle Bewohner des Landkreises angehalten, sich weiter an die „AHA-Regeln“ (Abstand, Hygiene und Alltagsmaske) zu halten. „Auch wenn eine gewisse Corona-Müdigkeit zu erkennen ist, sollten wir nicht aufhören, vorsichtig zu sein. Corona ist nicht verschwunden und die steigenden Zahlen zeigen, dass sich das Virus immer noch ausbreitet“, so Landrat Luttmann. Im Winter, wenn sich wieder mehr Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten, steige das Infektionsrisiko noch einmal und es bestehe die Gefahr, dass sich ältere und auch vorerkrankten Menschen wieder häufiger infizieren und damit mehr schwere Krankheitsverläufe und womöglich auch Tote zu verzeichnen wären. Landrat Luttmann appelliert: „Schützen Sie die Menschen in Ihrem Umfeld, indem Sie Abstand halten und eine Alltagsmaske tragen. Sie können auch andere Menschen infizieren, wenn Sie selber keine Symptome haben.“ Des Weiteren ruft der Landrat dazu auf, auch von der diesjährigen Grippe-Schutzimpfung Gebrauch zu machen, um das Gesundheitssystem im kommenden Winter zu entlasten.